Kultur Islands

Kultur Islands

Isländische Sprache und Schrift

Wie das Norwegische gehört auch Isländisch zu den nordgermanischen Sprachen und ist im Altnorwegischen verwurzelt. Die norwegische Sprache hat sich seit dem 14. Jahrhundert stark verändert, während das Isländische weitgehend auf dem gleichen Stand blieb. Dies lag sicherlich nicht zuletzt an der abgeschiedenen Lage der Insel. Die altertümliche Formenlehre ist bis heute erhalten, und auch sonstige grammatikalische Veränderungen gab es nicht. Das lateinische Alphabet wurde mit der Annahme des Christentums übernommen, und zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurden die ersten Bücher auf Island verfasst. Die lateinischen Buchstaben C, Q, W und Z wurden aus dem isländischen Alphabet verbannt. Statt dessen wurden Runenzeichen für die Th-Laute (ð, Þ) in das Alphabet integriert. Noch heute können Isländer die alten Schriften ihrer Vorfahren lesen. Die Aussprache ihrer Ahnen würden sie allerdings kaum noch verstehen, da es im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu Lautveränderungen bei vielen Vokalen und Konsonanten kam.

Auffallend an der isländischen Sprache ist das fast gänzliche Fehlen von Fremdwörtern. Begriffe des modernen Lebens, der Wissenschaft und der Technik werden durch neue isländische Wörter ersetzt oder werden umschrieben. Ein extra dafür eingesetztes Komitee überwacht seit 1964 die Entwicklung der Sprache und veranlasst gegebenenfalls Anpassungen bzw. „erfindet“ neue isländische Wörter. Der Computer ist im Isländischen daher heute ein „Zählwerk“ (tölva), das Telefon wurde zum „Draht“ (síma) und die Polizei wird wörtlich übersetzt „Gesetzesregler“ (lögregla) genannt.

Isländische Literatur

Die wohl bekannteste isländische Literatur sind die Aufzeichnungen der Edda und der Sagas, die alle im Mittelalter entstanden. Nach mehreren Jahrhunderten der mündlichen Überlieferung wurden sie schließlich aufgezeichnet. Diese Sagas berichten vorwiegend über Stolz, Trotz und Hass zwischen Familien und Sippen, über ihre Taten und Träume sowie über Konflikte und ihre Lösungen, die in Thingvellir verhandelt wurden. Der bekannteste Verfasser der Sagas ist der Isländer Snorri Sturluson.

Thingvellir

Thingvellir in Südisland

Thingvellir (isl. Þingvellir) ist sowohl geschichtlich, als auch geologisch ein interessantes Ausflugszel. An einer kilometerlangen Spalte kann man deutlich erkennen, wie hier die Kontinentalplatten von Eurasien und Amerika auseinander driften – jährlich zwei Zentimeter im Durchschnitt. Unweit des mittelalterlichen Parlamentsplatzes von Thingvellir fällt der Wasserfall Öxaráfoss über die kontinentale Bruchkante zwölf Meter in die Tiefe.

Ein großer Teil der isländischen Geschichte hat sich in Þingvellir abgespielt. Im Jahr 930 versammelte sich hier das isländische Volk und gründete eine der ersten freien Republiken der Welt. Ein Mal im Jahr tagte dann das Althingi, eine traditionelle gesetzgebende Versammlung, die sowohl gesetzgeberische als auch Gerichtsbarkeitsfunktionen hatte. Jeder Isländer konnte seine Anliegen vortragen und ein Gerichtsurteil verlangen. Die zweiwöchigen Versammlungen wurden aber auch als eine Art Volksfest gefeiert, bei denen u.a. Ehen vereinbart wurden. An diesem historischen Ort fanden auch in der Neuzeit bedeutende Ereignisse statt. So wurde beispielsweise am 17. Juni 1944 in Thingvellir die heutige Repubik Island ausgerufen.

Im Jahre 1928 wurde die Ebene bei Þingvellir zum Nationalpark ernannt, und im Sommer 2004 erklärte die Unesco den historischen Ort zum Weltkulturerbe der Menschheit.

Die zweite weltbekannte isländische Überlieferung aus dem Mittelalter ist die Edda. Sie unterteilt sich in zwei verschiedene Werke der altnordischen Literatur, und zwar in die jüngere Prosa oder auch Snorra-Edda und die ältere Lieder-Edda. Die Snorra-Edda wurde ebenfalls von Snorri Surluson zwischen 1220 und 1230 verfasst und ist ein Lehrbuch für junge Skalden, die die dichterischen Ausdrücke und verschiedenen Versarten kennen lernen sollten. Die Snorra-Edda beginnt mit einer Darstellung der nordischen Mythologie. In der Gylfaginning (Gylfis Täuschung) wird in Gesprächsform die Welt der germanischen Götter, wie beispielsweise Odin und Thór, dargestellt. Im Anschluss folgt die Skáldskaparmál (Die Sprache der Dichtkunst) mit Beispielen und Belegen aus Gedichten der Skalden aus dem 9. bis 12. Jahrhundert. Die Lieder-Edda ist erhalten in einer Handschrift aus dem 13. Jahrhundert und besteht teils aus der nordischen Mythologie, teils aus den germanischen Heldensagen. Eines der wichtigsten Gedichte der Edda ist die Völuspa.

Seit dem 12. Jahrhundert wandte sich der altnordische Skaldendichtung religiösen Themen zu und erreichte mit dem Mariengedicht „Lilja“ von Eysteinn Ásgrímsson den Höhepunkt. Mit dem 15. Jahrhundert entstand die Rímurdichtung. Wichtig in der Entwicklung der isländischen Literatur ist die Übersetzung des Neuen Testaments und der ganzen Bibel im 16. Jahrhundert. Aber auch die Edda-Gedichte, insbesondere die Völuspa, wurden ins Lateinische übertragen. Die Kunst des Buchdrucks wurde vergleichsweise früh nach Island geholt. Der Bischof Arason in Hólar hatte dessen Wert schnell erkannt und veranlasste die Lieferung einer Druckpresse bereits im Jahre 1530. Die Zeit nach der Reformation 1550 war literarisch wenig ergiebig.

Die politischen Entwicklungen in Island prägten im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Literatur des Landes. Island strebte die Unabhängigkeit an, was sich entsprechend in der Literatur niederschlug. Besonders zu erwähnen ist an dieser Stelle der isländische Schriftsteller Halldór Laxness, der sich durch seinen Roman „Die Islandglocke“ in der frühen 40er Jahren des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute. Nachdem Laxness im Jahre 1955 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde er auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt. Er gilt heute unumstritten als der wichtigste Schriftsteller Islands im 20. Jahrhundert.

Auch im 21. Jahrhundert ist Literatur in Island trotz elektronischer Medien nach wie vor sehr populär. In kaum einem anderen Land werden pro Kopf gerechnet so viele Bücher publiziert und gekauft. Ob Gedichte, Dramen oder Krimis – Islands Bücher sind auch im Ausland beliebt und die Kriminalromane von Arnaldur Indriðason oder Stella Blómkvist werden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Im Jahr 2011 war Island Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und konnte auf der weltgrößten Bücherschau erfolgreich für seine Literatur werben. Informationen zu Islands Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2011 finden Sie hier.

Rezensionen über isländische Literatur, Musik und Filme

Isländische Kunst

Die ersten Siedler Islands brachten die norwegische Volkskunst mit auf die Insel im Nordatlantik. Die damaligen Wikinger waren künstlerisch hoch begabt. Jedoch sind in Island nicht mehr viele Exponate jener Zeit zu finden.

Baudenkmäler der Besiedlungszeit sind in Island so gut wie keine mehr vorhanden. Viele wurden durch Vulkanausbrüche oder das rauhe Klima im Laufe der Jahrhunderte vernichtet. Einige Ausgrabungen von Fundamenten oder Nachbauten lassen sich jedoch in Freilichtmuseen vereinzelt noch finden. So beispielsweise der Hof ‘Stöng’ im Süden Islands. Dieser Hof wurde offensichtlich im Jahre 1104 bei einem heftigen Ausbruchs des Vulkans Hekla zerstört. Dies zeigten die geologischen Untersuchungen der vulkanischen Aschen. Nach etwas Suche lassen sich auch Fundamente eines Hofes nordöstlich des Wasserfalls Gullfoss finden. Dieser Hof war offensichtlich das nördlichste Gehöft auf der Ostseite des Flusses Hvítá. Nach der Entdeckung Amerikas durch Leifur Eriksson brachte dort im 10. Jahrhundert eine Frau den ersten Europäer auf amerikanischem Boden zur Welt. Dieser erste ‘Amerikaner’ bewohnte mit großer Wahrscheinlichkeit ein Haus in der näher des heutigen Freilichtmuseums Glaumbær in Nordisland. Die Fundamente dieses Hauses wurden 2002 von Archäologen der University of California entdeckt.

Zwar fanden sich unter den ersten Siedler Islands schon einige Künstler, die versuchten die Malkunst zu pflegen. Jedoch stagnierte die Bildkunst nach Ende des isländischen Freistaates weitgehend. Eine wirkliche Entwicklung der Malerei setzte erst in der Neuzeit ein. Der erste isländische Künstler, der versuchte von seinen Arbeiten zu leben, war Sigurður Guðmundsson (1833-74). Ein wirklicher Erfolg stellte sich für ihn jedoch nicht ein. Er verhungerte ausgerechnet in dem Jahr, in dem Island das 1000jährige Jubiläum seiner Besiedlung feierte. Als erster moderner Maler kann Þórarinn B. Þorláksson (1867-1924) betrachtet werden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann die isländische Malerei mit den Künstlern Ásgrímur Jónsson, Jón Steffansson und Jóhannes S. Kjarval zunehmend an Bedeutung.

Auch in anderen Bereichen entwickelte sich die isländische Kunst erst in den letzten zwei Jahrhunderten. Während die Holzschnitzerei im 20. Jahrhundert in ihrer Entwicklung stagnierte, entwickelten sich in dieser Zeit die Bildhauerei und die Gold- und Silberschmidekunst über die Landesgrenzen hinaus.

Islands Staatsflagge und Wappen

Flagge Island

Isländische Flagge

Auf der isländischen Staatsflagge ist ein weiß umrandetes rotes Kreuz auf blauem Hintergrund abgebildet. Die Farben Rot und Weiß symbolisieren die Elemente Feuer und Eis, von denen die isländische Landschaft geprägt ist (Vulkane und Gletscher). Die dunkelblaue Farbe steht für das Wasser des Atlantischen Ozean, der die Insel umgibt. Die Gestaltung der Flagge mit diesen Farben erfolgte in Anlehnung an das Skandinavische Kreuz anderer Nordischer Länder. Die rote Farbe soll zudem an die historische Verbundenheit mit Dänemark erinnern. Die Flagge wurde am 19. Juni 1915 offiziell angenommen. Das Seitenverhältnis zwischen Höhe und Breite beträgt 18:25.

Das Wappen Islands wurde mit Ausrufung der Republik am 17. Juni 1944 eingeführt und ist gekennzeichnet von den vier Wappenfiguren Stier, Adler, Drache und Riese.

Wappen Island

Islands Wappen

In der Legende heißt es, dass der dänische Monarch Harald Blauzahn im 10. Jahrhundert die Insel Island unterwerfen wollte. Um Landeplätze für seine Kriegsschiffe zu erkunden, schickte Blauzahn einen Zauberer los, der als Wal verwandelt nach Island schwamm. Die Schutzgeister des Landes verwehrten dem Auskundschafter jedoch den Zutritt zur Insel und stellten sich überall dort in den Weg, wo er er an Land gehen wollte. Im Süden war es ein Riese mit einem Eisenstab, im Westen ein Stier, im Norden ein Adler und im Osten ein furchterregender Drache. Harald Blauzahn musste somit seine Eroberungspläne aufgeben.

Die Schutzgeister werden in Verbindung mit dem Wappen daher auch als Landwächter bezeichnet. Sie sind übrigens auch auf der Rückseite des isländischen Münzgeldes abgebildet.

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