Große germanische Führer

800px-Walhall_von_Emil_Doepler

Die großen germanischen Führer der Frühzeit erscheinen in einem neuen Licht. – Als die Germanen in das Licht der Geschichte treten, vollbringen ihre Fürsten und Führer immer wieder Leistungen, die sich würdig denen der größten anderer Völker an die Seite stellen…

Und wer sind denn nun eigentlich die Menschen? Vor nicht allzu langer Zeit haben die Anthropologen in Äthiopien menschliche Knochenreste gefunden, die über eine Million Jahre alt sind. Der Mensch hat also seit Millionen von Jahren auf der Erde gelebt. Und wie steht es mit der Kultur und Gesittung, der Zivilisation? Ist diese nur 6000 Jahre alt? Ist der Mensch in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder in den Zustand der Rohheit und Grausamkeit zurückgefallen? Jedenfalls ist für ihn das Wissen von außen gekommen. Die Götter bringen den Gral, den Schatz mit… Miguel Serrano

Germanic tribes  Map 50 - 100 AD

Obwohl Miguel’s Serrano Buch sehr esoterisch ist – wenn man daran kein Interesse hat – bringt es darin auch viele Tatsachen von der Vorzeit zum Licht die uns geheim gehalten wurden. Schon deswegen ist es wert es zu lesen:

Geschichtsbewustsein Und Voelkerfreiheit

Die Germanische Odal Oder Allod Verfassung_1934

Herman Wirth Die Ura Linda Chronik

Platon Als Hueter Des Lebens_1928

Serrano Miguel – Das Goldene Band (1987) – Esotherisch ueber die Vorzeit und Adolf Hitler

Spanuth Juergen – Das entraetselte Atlantis (1953)

Hermann Wieland – Atlantis Edda und Bibel (1925)

Holger Kalwait ueber die Atlanter (Nordfolk) in Palestinien:

Liebe Und Ehe Bei Den Vorchristlichen Germanen 1932  64 S.

Altgermanische Kultur 1934 147 S.

Armin_und_die_Römer

 Deutsche Geschichte von der Germanischen Vorzeit – Suchenwirt

Große Deutsche

Schwabenkoenig Arminius

Das Entraetselte Atlantis (1953)

Zwei Titanen, Prometheus und Faust-Ein Vortrag

 

An dem Bild rechts “Gesiegt” und Bild unten clicken!

 

Sonnenwendfeier in der protogermanischen (urgermanischen) Ära, ca. 1000 bis 500 vor unserer Zeitrechnung, mutmaßlich auf dem Questenberg (Vorläufer des Questenfests)

Germans 1000 to 500 B.C. celebrating the Summer Solstice

Die Grossen Germanischen Fuehrer – pdf

*****

Germanic_Solstice_Celebration,_Germanische_Sonnenwendfeier,_during_the_Proto-Germanic_period,_large

BUCH

Kurt Pastenaci

 Die grossen Germanischen Führer

Nordland Verlag – Berlin – 1939

 ca. 60 Seiten

Vorwort

Die Geschichte aller Geisteswissenschafen zeigt, daß sich im Laufe der Entwicklung selbst scheinbar festbegründete Urteile und Anschauungen wesentlich ändern. Das weltanschauliche Werden der Zeit ist einer der Gründe dafür, das nie rastende Streben der Wissenschaft, die immer zu neuen Feststellungen und Ergebnissen kommt, ein anderer. So wird das Geschichtsbild, das  wir von der Vergangenheit unseres Volkes haben, gegenwärtig aus beiden Gründen neu gestaltet, wobei auch die Frühgeschichte der Germanen erfaßt wird. Die hier gegebene Darstellung der großen germanischen Führer vor der geschichtlichen Völkerwanderung (also vor 375 unsr. Ztr.) stellt einen wissenschaftlich begründeten Versuch der Um- und Neugestaltung eines durch die Forschung überholten alten Bildes dar.

Durch die Ausgrabungen der letzten 20 Jahre wurde eine Fülle von Beweisen dafür erbracht, daß das alte Germanien viel dichter besiedelt war, als früher angenommen wurde. In allen deutschen Gauen wurden nicht nur zahlreiche neue Gräberfelder entdeckt und untersucht, auch die Ausgrabungen von Siedlungen ergaben eine überraschende Siedlungsdichte und Siedlungsstetigkeit. Die Funde zeigten ferner immer deutlicher, welche Entwicklung die einzelnen vor- und frühgeschichtlichen Völker Mittel- und Nordeuropas durchmachten, und wie sich die Volksgrenzen im Laufe der Jahrhunderte änderten. Man kann heute, gestützt auf die Ausgrabungen und Untersuchungen, nicht nur die Ausdehnung der Germanen, sondern sogar die Wanderungen einzelner ihrer Stämme selbst für jene Zeit festlegen, über die wir keine schriftliche Kunde besitzen. Das Wissen über die Kriegskunst und das Staatswesen unserer Vorfahren wurde ebenfalls wesentlich erweitert. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse betreffen aber nicht nur die stoffliche Kultur der Germanen, sondern auch ihre Geisteshaltung und das Leben und Wirken einzelner führender Menschen.

Die neuesten Forschungen sind unserer Darstellung zugrunde gelegt und rechtfertigen somit die Herausgabe usnerer Schrift. Die großen germanischen Führer der Frühzeit erscheinen in einem neuen Licht. Das gilt selbst für diejenigen, die, wie Ariovist und Arminius, schon früher oft und eingehend behandelt worden sind. Es wird ja stets die Aufgabe nicht nur der Geschichtsschreiber, sondern aller an der Vergangenheit unseres Volkes Anteil nehmenden Menschen sein, das Bild der großen Persönlichkeiten den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen entsprechend darzustellen und zu sehen, um an dem Vorbild, das sie uns gaben, selbst zu wachsen.

Kurt Pastenaci.

 Sippe und Führertum

Die Grundpfeiler der germanischen Volksordnung

Auf zwei Grundpfeiler ruhte jahrtausendelang die Volksordnung unserer Vorfahren. Auf der Sippe und dem Führertum. Beide galten ebensosehr in der Bronzezeit, also im 2. Jahrtausend v. d. Ztr., wie in den Jahrhunderten der Kämpfe gegen das Römerreich, aber auch noch zur Zeit der Wikinger am Ende des 1. Jahrtausends uns. Ztr.

Die Sippe war die wirtschaftliche, rechtliche; militärische und volkliche Grundeinheit. Das ist durch die griechischen und römischen Schriftsteller ebenso eindeutig bezeugt wie durch die frühmittelalterlichen Überlieferungen und die nordischen Sagas. Für die beiden Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung geben die Grabstätten unzweifelhaft davon Kunde, daß die Sippe die Grundeinheit alles Lebens war, haben doch die Untersuchungen der Friedhöfe gezeigt, daß die Gräber meist deutlich erkennbare Gruppen bilden, daß also die Glieder einer Sippe noch im Tode vereint blieben. Bei einzelnen Stämmen, wie z. B. den Eheruskern, gab es sogar keine großen allgemeinen Grabplätze, sondern nur kleine Sippenfriedhöfe.

Das Führertum wird ebenfalls von antiken Berichterstattern – mehr oder minder deutlich, allerdings – angeführt. Schon von den Kimbern und Teutonen heißt es, daß sie von Königen geführt wurden. Cäsar kämpft mit dem Swebenkönig Ariovist und später werden immer wieder Könige, Herzöge oder Fürsten genannt.

Die besondere Eigenart des germanischen Führertums hat aber nur Tacitus in seiner “Germania” geschildert. Es ist das Gefolgschaftswesen, daß nach diesem römischen Geschichtsschreiber entweder auf einem freiwilligen Anschluß an die schon vorhandene Gefolgschaft eines germanischen Fürsten oder auf der ehrenvollen Berufung in diese Gefolgschaft beruhte.

Das Verhältnis zwischen dem Gefolgsmann und dem Führer sowie die Ehrauffassung dieser Männergemeinschaft schildert Tacitus ausführlich. Entscheidend ist dabei seine Feststellung:

“Geht es in die Schlacht, so ist es schimpflich für den Führer, an Tapferkeit übertroffen zu werden, schimpflich für das Gefolge, der Tapferkeit seines Führers nachzustehen. Nun gar aus der Schlacht ohne seinen Führer heimzukehren, ist eine Schande für das ganze Leben, eine untilgbare Schmach; ihn zu verteidigen, zu schützen selbst die eigenen Taten ihm zum Ruhme anzurechnen, ist heiligste Vepflichtung. Die Führer kämpfen für den Sieg, das Gefolge für den Führer.”Auch aus späteren Quellen wissen wir, daß ein derartiges Gefolgschaftswesen und Führertum dem germanischen und bis ins Mittelalter hinein auch dem deutschen Wesen entsprach. Es kümmerte den Gefolgsmann wenig, ob das, was der Führer, dem er sich angelobt hatte, tat, recht und richtig war oder nicht. Er teilte mit ihm Erfolg und Niederlage, Leben und Tod und er erwartete nur, daß der Führer ihm gleichfalls die Treue hielt. Das Nibelungenlied legt gerade dafür ein erschütterndes Zeugnis ab, denn König Gunther hätte seine Brüder und sich retten können, wenn er seinen Gefolgsmann Hagen der Rache Krimhilds ausgeliefert hätte. In echt germanischer Art wählte er den Tod um der Treue willen.

Dieses Gefolgschaftswesen ist nicht erst mit den Kämpfen unserer Vorfahren gegen die Römer entstanden. Freilich hat Cäsar unmittelbar nichts darüber berichtet, was um so erstaunlicher ist, als gerade er ein auszuzeichneter Beobachter militärischer Verhältnisse war. Man hat daraus schließen wollen, daß das Gefolgschaftswesen erst nach seiner Zeit entstanden sei; aber ein solcher Schluß ist nicht genügend begründet. Der große römische Feldherr und Staatsmann sah die Germanen erst dann, wenn sie sich zur Schlacht ordneten. Dann aber traten die Gefolgsleute, da sie ja gleichzeitig gewissermaßen das Offizier- und Unteroffizierkorps bildeten, in Reich und Glied oder stellten sich als Vorkämpfer an die Spitze der Schlachtteile.

Von solchen Vorkämpfern wird schon aus Anlaß der Einfälle der Kimbern und Teutonen in das römische Reich berichtet, und Cäsar bezeugt die Gefolgschaft mittelbar – und wohl nur halb verstanden -, wenn er mitteilt:

“Und wenn einer von den Häuptlingen in der Landesversammlung erklärt, er wolle Führer sein, wer ihm folgen wolle, möge sich melden, dann erheben sich diejenigen, welche die Sache und den Mann gutheißen und versprechen ihren Beistand, und die Menge zollt ihnen Beifall.”

Wir dürfen also annehmen, daß auch das Gefolgshalftswesen eine uralte germanische Einrichtung war, zumal Grabanlagen dafür sprechen.

Die unbekannten Führer

Es ist an sich selbstverständlich, daß es Volksführer auch zu einer Zeit gab, über die wir keine schriftliche Kunde besitzen, und zwar Führer von ungewöhnlichem Ausmaß. Als die Germanen in das Licht der Geschichte treten, vollbringen ihre Fürsten und Führer immer wieder Leistungen, die sich würdig denen der größten anderer Völker an die Seite stellen. Man hat die Staatskunst eines Theodorich d. Gr. damit erklären wollen, daß er ein Jahrzehnt lang am römischen Kaiserhofe in Byzanz (Konstantinopel) als Geisel weilte und dort zum Staatsmann erzogen worden sei, aber die Staatskunst des großen Wandalenkönigs Geiserich, der ein halbes Jahrhundert früher lebte, war nicht geringer und Geiserich hat niemals römische Erziehung erhalten. Geht man um mehr als ein halbes Jahrtausend ins 2. Jahrhundert v. d. Ztr. zurück, dann ist der Zug der Kimbern und Teotonen militärich wie wirtschaftlich (was die Verpflegung angeht) eine Führertat ersten Ranges, die sich, wie wir sehen werden, durchaus mit dem Zug Alexanders oder dem des Karthagers Hannibal vergleichen läßt. Schon in der Frühgeschichte unserer Vorfahren treten also überragend große Führer auf, deren Namen und nur in seltenen Fällen überliefert sind.

Aus der vorgeschichtlichen Zeit der Germanen klingen uns gar keine Führernamen mehr entgegen. Und doch vermögen wir die Größe dieser unbekannten Führer in manchen Fällen an ihren Leistungen oder an der offensichtlichen Liebe, mit der ihr Stamm ihnen den totenhügel wölbte, zu ermessen.

Das Königsgrab von Seddin

Bei Seddin in der Prignitz liegt ein solcher Grabhügel. Er stammt etwa aus der Zeit um 800 v. d. Ztr. Unbekannt ist der Name des darin bestatteten, zweifellos großen Führers. Von Mund zu Mund weitergegeben, hat sich zwar durch die Jahrtausende ein Name erhalten, denn noch als die Grabkammer entdeckt wurde, raunte man im Volk davon, daß in dem Hügel der Riesenkönig Hinz in einem dreifachen Sarge aus Gold, Silber und Kupfer ruhe. Der dreifache Sarg war Wirklichkeit, wenn auch die Asche des Toten nur von Stein, Ton und Bronze umgeben war, aber der Name, den die Sage nennt, ist doch zu unsicher bezeugt. Dafür ist die Bedeutung des Fürsten um so deutlicher durch die Art der Grabanlage dargetan. Die Forscher haben berechnet, daß allein zur Wölbung des Hügels 150 Werkleute ein ganzes Jahr lang tätig gewesen sein müssen. Da die germanischen Führer keine Sklavenheere besaßen, wie die ägyptischen Pharaonen oder asiatischen Könige, kann nur die Liebe des eigenen Volkes dem großen Führer dies gewaltige Grabdenkmal geschaffen haben. Es ist nicht das einzige, das wir aus der Bronzezeit besitzen, aber es ist eins der hervorragendsten.

Auch die Führerleistung des bei Seddin bestatteten Toten läßt sich – wenigstens mit einiger Wahrscheinlichkeit – ermessen. Damals mußten die in der Prignitz und in Mecklenburg lebenden Germanen mit ihren südlich und östlich wohnenden Nachbarnm den Illyrern, kämpfen. Eine immer fühlbarer werdende Klimaverschlechterung zwang zu einer Ausdehnung des Landbesitzes und zur Verschiebung der Volksgrenzen. Das Wetter wurde im Jahresdurchschnitt, wie der Pflanzenwuchs besonders in den Mooren für jene Zeit bezeugt, feuchter und kühler. Das Grundwasser stieg, der Spiegel der Flüsse und Seen hob sich. Ackerland, das bis dahin gut getragen hatte, brachte nur noch geringe ernten, und die Wiesen und Weiden wurden feucht und sumpfig. Die Erringung neuen Landes durch Kampf mit den Nachbarn war also eine Lebensnotwendigkeit. Tatsächlich mußten damals die Illyrer bis in die Gaue südlich der Havel zurückweichen, obwohl sie ihr Land auch nördlich des Flusses durch Burgbauten zu schützen und zu sichern versuchten.

Eine der Burgen, um die damals der Kampf gegangen sein mag, ist die sogenannte Römerschanze am Lehnitzsee bei Potsdam. Sie hat trotz ihres Namens nichts mit den Römern zu tun, denn es ist nachweisbar, daß niemals Legionen bis an die Havel vorgedrungen sind. Die an sich nicht sehr große Befestigung, die aber durch den See und einen Sumpfarm von Natur her geschützt war, sicherte den bei Potsdam gelegenen natürlichen Übergang über das Seen- und Sumpfgebiet der Havel. Eine starke Holz-Erd-Mauer und zwei tiefe Gräben – an der einzigen Angriffsstelle dazu noch zwei weitere – machtem die Burg zu einem starken Bollwerk. Es ist aber kein Zeifell, daß sie von unseren Vorfahren doch erobert wurde. In dem lebensentscheidenden Kampf, der mit dem Sieg über die Illyrer endete, mag der bei Seddin bestattete Fürst der Führer gewesen sein.

Die Ostgermanen

Unbekannt wie sein Name sind auch die anderer germanischer Führer, die ihren Stämmen Nenland eroberten. Vom 8. Jahrhundert v. d. Ztr. ab drangen besonders die östlich der Oder lebenden Germanen weit nach Süden vor. Auch sie mußten die Verteidigungswerke der illyrischen Stämme, die überall da errichtet waren, wo es brauchbare übergänge über das Sumpfgebiet des Urstromtales von Netze und über das Sumpfgebiet des Urstromtales von Netze und Warthe gab, überwinden. Von den Heldentaten und Leistungen jener Führer kündet kein Lied, keine Überlieferung, aber das, was damals geschah, ist an den Funden, die im Boden unserer ostdeutschen Heimat gemacht wurden, einwandfrei nachweisbar. Schließlich wurden diese germanischen Stämme die anhaltende und verstärkt auftretende Klimaverschlechterung gezwungen, ihre Heimat ganz zu verlassen und nach Süden zu wandern.

Die Schwierigkeiten einer solchen Wanderung, die bis zu den Ufern des Schwarzen Meeres führte, können wir uns kaum noch vorstellen, sind wir doch an ausgebaute Straßen, Eisenbahnen und Automobile gewöhnt. Wege gab es damals natürlich auch, Wege, die von den Kaufleuten und  Händlern und in seltenen Fällen auch von kleineren Menschengruppen benutzt wurden. Sie mögen unseren einfachsten Feld- und Waldwegen vergleichbar gewesen sein und waren, wie diese, gewiß keinem stärkeren Verkehr gewachsen.

Es kam hinzu, daß ja nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder mit dem gesamten Hausrat und Viehnach Süden zogen, und daß der Weg überall durch fremde und feindliche Völker führte, die ihre alte Heimat gegen die Eindringlinge mit allen Mitteln verteidigten. Da galt es nicht nur, die überhaupt brauchbaren Wege vorher zu erkunden, mit den feindlichen Stämmen zu kämpfen oder Verträge zu schließen, sich gegen Überfälle, die einen viele Meilen langen Wagenzug auf das empfindlichste treffen konnten, zu sichern, sondern auch dafür zu sorgen, daß rechtzeitig geeignete Winterquartiere bezogen wurden, daß die Kinder und das Vieh die Strapazen aushielten, und daß die nötige Verpflegung, die ja nicht nur aus Fleisch und Milch bestehen konnte, für Menschen und Tiere herbeigeschafft wurde.

Die Führer mußten ebensosehr für eine geordnete Räumung der alten Heimat wie für die Ordnung auf dem Marsch sorgen, mußten die Sippen zusammenhalten, Ersatz für zerbrochene Karren und Wagen schaffen, die entstandenen Verlufte an Menschen und Material so ausgleichen, daß jeder Gefahr begegnet werden konnte, und vieles andere mehr. Es spricht für die außerordentliche Leistung der Führer dieser Ostgermanen, daß sie ihre Stämme, deren Namen “Bastarner” und “Skirer” griechische Inschiften melden, so stark und kampfkräftig bis an die Ufer des Schwarzen Meeres führten, daß sie in der Lage waren, dort Neuland zu erbern, gegen jeden Feind zu sichern und sogar griechische Städte wie Olbia (an der Mündung des Dnjepr) anzugreifen. Die beiden Stämme spielten später in den Kämpfen mit den Römern noch eine große Rolle. Sie schlugen u. a. im Jahre 59 v. d. Ztr. das Heer des römischen Statthalters von Macedonien C. Antonius, und hielten sich bis in die Zeit der Völkerwanderung hinein. Der Soldatenkönig Odowakar, der Italien beherrschte, und erst Theodorich dem Großen unterlag, entstammte z. B. dem Fürstengeschlecht der Skirer.

Die Westgermanen

Ähnliche Leistungen müssen in jenen Jahrhundert auch die Führer anderer germanischer Völker vollbracht haben, deren Namen uns genau so unbekannt sind. Die Westgermanen hatten Nachbarn, die sehr viel kriegstüchtiger waren als die Illyrer: die Kelten. Die Stämme dieses Volkes drangen im ersten Jahrtausend v. d. Ztr. bekanntlich weit nach Süden und Osten vor. Sie setzten sich nicht nur in Spanien fest, sondern auch in Italien, wo sie Rom eroberten, im Donauraum und auf der Balkanhalbinsel. Ja, sie stießen sogar bis nach Kleinasien vor. Dieses tapfere und gut beaffnete Volk leistete unseren Vorfahren lange Zeit heftigen Widerstand. Es wich zwar im Westen am Rhein zurück, stieß dafür aber von Süddeutschland aus im 6. Jahrhundert v. d. Ztr. über Thüringen bis zum Harz vor und konnte sich dort zwei Jahrhunderte behaupten. Es baute, ähnlich wie die Illyrer, zum Schutz seiner Gaue zahlreiche, geschickt angelegte Burgen, die, auf hohen Bergen liegend, sehr viel größer und fester waren. Ihre Mauern wurden ohne Mörtel aus Steinen, meist mit einem zur Verankerung notwendigen Holzgerüst errichtet, Mauern, die vier Meter dick und mindestens ebenso hoch waren. Viele Jahrhunderte dauerte der Kampf, ehe die Germanen siegten und die Kelten zwangen, sich nach Süddeutschland über den Main und schließlich auch über die Donau zurückzuziehen. Einzelne germanische Stämme konnten unter ihren Führern schon sehr die keltischen Gaue durchziehen und sogar bis nach Spanien vordringen. Dies bezeugt der im 5. Jahrhundert v. d. Ztr. lebende griechische Geschichtsschreiber Herodot, der von den “oretanischen Germanen” in Spanien spricht. Über die Bewertung aller dieser Ereignisse haben sich nur selten die Geschichtsschreiber früherer Jahrzehnte ein zutreffendes Urteil gebildet. Es schien damals durchaus möglich, daß selbst größere Menschenmengen ohne rechte Führung weite Strecken durchwandern konnten, nahm man doch an, daß unsere Vorfahren Nomaden waren, die erst durch die Römer zur Seßhaftigkeit gezwungen wurden. Der Irrtum, dem die Gelehrten der vergangenen Jahre unterlagen, ist insofern verständlich, als sie nicht über die Forschungs- und Ausgrabungsergebnisse der Vorgeschichtswissenschaft verfügten, die wir heute besitzen. Jetzt, wo wir wissen, daß Mitteleuropa auffallend stark besiedelt war, daß die dort lebenden Völker waffentechnisch auf der Höhe ihrer Zeit gewesen sind, daß sie ihre Verteidigungsanlagen und Befestigungen nicht planlos, sondern nach strategischen Grundsätzen errichteten – erst heute also erscheint uns die Leistung der germanischen Stämme und ihrer Führer im rechten Licht. Unbekannte Führer, gewiß! Aber doch Männer, die überragende Fähigkeiten besaßen, die nicht sinn- und planlos handelten, sondern umsichtig und tatkräftig für ihr Volk sorgten und den ihnen gestellten Aufgaben gewachsen waren. Diese unbekannten Führer und ihre Leistungen erklären erst das, was die später von den römischen und griechischen Schriftsstellern mit Namen genannten Führer unserer Vorfahren schaffen und erreichen konnten. Wie dem unbekannten Soldaten des Weltkrieges sollte, wenigstens im Herzen unseres Volkes, auch diesen unbekannten Führern ein unvergängliches Denkmal gesetzt werden.

 – LANGOBARDEN –

449px-Langobarden

Der Volksturm aus dem Norden

Das Reich der Römer

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. d. Ztr. schickt sich Rom, das nach seinen Siegen über Karthago zur führenden Macht im Mittelmeer geworden ist, an, seinen Landbesitz an allen Ufern dieses Meeres zu vervollständigen und abzurunden.

Als Verbindung zwischen dem schon besetzten Spanien und Italien wird Südgallien erobert. Die Legionen dringen durch den mächtigen Alpenwall hindurch setzen sich in Noricum fest. Dort gibt es Goldbergwerke, die für das werdende Weltreich wichtig sind. Auch in Kleinasien und Afrika marschieren die römischen Heere. Da bricht unvermutet ein mächtiger Feind aus dem dunklen Norden hervor, schlägt den Konsul Papirius Carbo bei Noreja im Jahre 113 v. d. Ztr., verschwindet längäre Zeit aus dem Geschichtskreis der Römer, vernichtet dann das Heer des Konsul Julius Silanus in Südgallien 109 v. d. Ztr., wendet sich wiederum nach Norden, vernichtet im Jahre 105 v. d. Ztr. bei Arausio an der Rhone eine römische Truppenmacht von angeblich 80 000 Mann so vollständig, daß man in der “Ewigen Stadt” am Tiber von einem zweiten und größeren Canae spricht. Von Schrecken gepackt, übergeben die Römer ihrem fähigsten Mann, dem Konsul Marius, die unbeschränkte Herrschaft und erneuern sie Jahr für Jahr. Dem neuen Feldherrn gelingt es dann auch, die fremden nordischen Völker, die dem Weltreich nicht weniger gefährlich zu werden schienen als die Karthager, in zwei Schlachten, 102 v. d. Ztr. bei Aquae Sertiae und 101 v. d. Ztr. bei Vercellae, völlig aufzureiben. Die drohende Gefahr ist überwunden, aber keiner der stolzen Senatoren ahnt, daß diese Kämpfe nur ein Vorspiel für die weltgeschichtliche, länger als ein halbes Jahrtausend andauernde Auseinandersetzung zwischen dem Großstaat des Südens und dem Großvolk des Nordens darstellten, daß jene Macht, die das Weltreich am Mittelmeer zerstörte, erst im Anmarsch war.

Die Großmacht des Nordens

Zur gleichen Zeit, die den Römern die Vorherrschaft im Süden brachte, errangen die Germanen die unzweifelhafte Vorherrschaft über Nord- und Mitteleuropa. Sie waren nach Westen über den Rhein hinaus vorgestoßen, hielten im Osten ein Gebiet besetzt, das, von Ostpreußen abgesehen, fast das ganze heutige Ostdeutschland und dazu noch einen großen Teil des heutigen Polens umfaßte. Die keltischen Stämme behaupteten sich zwar noch in Süddeutschland, Böhmen und Mähren und in Schlesien, westlich der Oder; eine Kette starker, auf hohen Bergen errichteter Burgen und befestigter Städte sicherte sogar noch einen teil von Thüringen und Hessen gegen die anstürmenden Stämme des großen germanischen  Swebenbundes, aber die Kelten waren doch überall in die Verteidigung gedrängt und langsam, und aufhaltsam gewannen die germanischen Tausendschaften Neuland. Da traf eine neue Naturkatastrophe einen Teil unserer Vorfahren und raubte ihnen weite Stücke ihrer alten Heimat. Es muß eine Sturmflut von außerordentlichem Ausmaß gewesen sein, die nicht weniger als vier Stämme Jütlands zwang, ihre Heimat zum größten Teil zu verlassen. Die Wandalen, die vorher in Jütland seßhaft waren, zogen nun nach Ostdeutschland und nahmen das Land südlich von Netze und Warthe, zwischen Oder und Weichsel, in Besitz. Ihre Nachbarn, die Kimbern, Teutonen und Ambronen, wurden gar gezwungen, sich eine neue Heimat jenseits der alten germanischen Grenzen zu suchen. Auch in Norwegen muß die Sturmflut gehaust haben, denn von dort  kamen annähernd zur gleichen Zeit die Rugier und setzten sich in Pommern und an der Weichselmündung fest. Gemeinsam mit ihnen zogen von der Insel Bornholm die Burgender aus und nahmen das Land, das zwischen den Rugiern und Wandalen frei geblieben war, in Besitz.

Teutobod und Bojorix

Die Römer erhielten freilich nur von den Kimbern, Teutonen und Ambronen Kenntnis, weil nur diese drei Stämme mit ihnen in Berührung kamen. Ihre Berichterstatter, vor allem Plutarch, nennen uns auch die Namen einiger Führer, unter denen Teutobod, der Herzog oder König der Teutonen, und Bojorix, der Führer der Kimbern, die bedeutendsten gewesen sind. Trotz der zahlreichen Lücken, die diese antiken Nachrichten aufweisen, trotz der naturgemäß einseitigen Darstellung, und trotz der vielfach vorhandenen Übertreibungen geht aus dem, was uns überkommen ist, zweifelsfrei hervor, daß diese ersten germanischen Führer, die uns mit Namen genannt werden, außergewöhnliche Fähigkeiten besessen haben. Ein Geheimnis, das noch nicht geklärt werden konnte, umwittert den Zug der drei germanischen Stämme, denn Sinn und Ziel dieser Wanderung sind immer noch umstritten. Man kennt nur einige Festpunkte und weiß, daß die Kimbern, Teutonen und Ambronen erst mit dem in Böhmen und auch in Schlesien seßhaften keltischen Volk der Bojer kämpfen mußte, dann die Donau erreichten und ins Land der gleichfalls keltischen Skordisker (zwischen Donau und Drau) eindrangen, von dort sich nach Westen wandten die Alpen durchzogen, bei Noreja das erste römische Heer schlugen, um sich dann jahrelang in Süddeutschland aufzuhalten. Um 110 v. d. Ztr. überschritten sie den Rhein, schlugen 109 v. d. Ztr. das zweite römische Heer, zogen danach durch Gallien und siegten, nach Süden zurückkehrend, bei Arausio über die Legionen. Danach wandten sie sich aber nicht, wie die Römer befürchteten, nach Italien, sondern gingen zunächst nach Spanien und darauf nach Gallien zurück. Erst m Jahre 102 v. d. Ztr. traten sie zum Entscheidungskampf gegen die Römer an. Dabei gelang es den Kimbern unter  ihrem Führer  Bojorix die Alpen überwinden und in Oberitalien einzubrechen.

Allein aus diesen Festpunkten ergibt sich, daß die Stämme einen Weg von mehr als 7000 Kilometer (in der Luftlinie) zurückgelegt haben müssen. Da es damals in Nord- und Mitteleuropa keine größeren ausgebauten Straßen und Wege gab, ist schon allein diese Marschleistung beachtlich, um so mehr, wenn man bedenkt, daß Frauen, Kinder und Vieh mitgeführt wurden. Die römisch-griechischen Schriftsteller geben ganz außerordentlich hohe Zahlen für die Schar der Wandernden an. Wären sie richtig, so müßten wenigstens 1 bis 1,5 Millionen Menschen in Bewegung gewesen sein, eine Masse, die für die damalige Zeit selbst von den fähigsten Führern nicht zu beherrschen gewesen wäre. Wissenschaftliche Einzeluntersuchungen haben dann auch ergeben, daß im Höchstfall wenig mehr als 100 000 Germanen diese Wanderung durchführten und unter ihnen werden höchstens etwa 50 000 kampffähige Männer gewesen seien. Aber diese 100 000 Menschen durch unbekannte und unwirtliche Landschaften wie die Alpen und durch von starken feindlichen Völkerstämmen bewohnte Gaue so zu führen, daß die Kampfkraft noch ausreichte um den Römern an der Rhone ein zweites und groeßeres Cannae zu bereiten, ist eine Führerleistung ersten Ranges. Alexander der Große und Hannibal hatten es leichter, als Teutobod und Bojorix, denn sie führten nur ein Heer, sie waren nur Feldherren, die über geschulte und kriegsgewohnte Männer geboten. Sie hatten auch mit sehr viel geringeren Verpflegungschwierigkeiten zu rechnen. Es ist zur Erklärung des Zuges der Kimbern, Teutonen und Ambronen mitten durch das sich von Gallien bis zur Donau erstreckende Keltenland die Auffassung vertreten worden, daß die keltischen Stämme jener Zeit nicht mehr besonders kampfkräftig gewesen wären. Die geschichtlichen Tatsachen bezeugen aber das Gegenteil. Eben jene Skordisker in deren Land die Germanen eindrangen, besiegten im Jahre 116 v. d. Ztr. ein römisches Heer und hielten sich mehrere Jahre lang gegen die Legionen. Die damals in Süddeutschland lebenden Helvetier, mit denen die drei Nordstämme gleichfalls kämpfen mußten, zwangen einen römischen Konsul mit seinen Truppen im Jahre 107 v. d. Ztr. in Südgallien unter das Joch. Der Zug durch die Keltenlande ist also alles andere als ein Spaziergang gewesen.

Die römischen Feldherrn

Gewiß ist die Niederlage von Noreja auf die Unfähigkeit des römischen Feldherrn zurückzuführen. Aber Junius Silanus, der gleichfalls den germanischen Tausendschaften unterlag, war ein durchaus kriegserfahrener Feldherr und Servilius Caepio, der die Hälfte der Legionen bei Arausio befehligte, hatte sich sogar bei den Kämpfen in Spanien Kriegsruhm erworben. Einer seiner Unterfeldherrn, Marcus Aurelius Scaurus, dessen vorgeschobenes Korps von den Germanen schon vorher vernichtet wurde, ist gleichfalls ein tapferer, wackerer und umsichtiger Mann gewesen. Schließlich hatte Quintius Lutatius Catulus, der vergeblich versuchte, die Alpenpässe zu sperren und die Kimbern am Eindringen in Italien zu verhindern, seine erste Kriegserfahrung schon unter dem großen Scipio bei der Belagerung von Rumantia erworben. Sein Unterführer war der berühmte Sula, der nach Marius Diktator wurde. Die Niederlagen der Römer lassen sich also nicht mit der Unfähigkeit der Feldherrn entschuldigen. Es bleibt nichts anders übrig, als festzustellen, daß die germanischen Heerführer ihren Gegnern an militärischen Fähigkeiten überleben gewesen sein müssen. Wenn sie gegen Marius doch nicht den Sieg erringen konnten, dann lag das in erster Linie an der starken zahlenmäßigen Überlegenheit der römischen Heere, die bei Aquä Sextiae und Vercellae kämpfen. In der letzten Schlacht standen dem höchstens 25 000 Mann starken Kimbernheer mehr als 52 000 Legionäre gegenüber.

Die Überwindung der Alpen

Aus den Kämpfen jener Tage wird uns so manches “Husarenstücklein” überliefert, das ein helles Licht ebensosehr auf die Wesensart unserer Vorfahren, wie auf die überragenden Fähigkeiten ihrer Führers wirft. Bojorix und Teotobod ließen sich bei Noreja scheinbar ahnungslos in den von den Römern gestallteten Hinterhalt führen. Ihr Heer war dann aber urplötzlich so schlagfertig, daß die Legionen besiegt wurden und so kopflos flohen, daß sich Reste erst drei Tage nach der Schlacht wieder zusammenfanden. Bei der zweiten Übersteigung der Alpen hielten sich die Kimbern nicht lange mit dem Berennen der römischen Stellungen auf. Sie erstiegen die Berge, setzten sich oben angekommen auf ihre Schilde und rodelten zum hellen Entsetzen der Legionen jauchzend die schneebedeckten Hänge herab. Den Übergang über die Etsch erzwangen sie kurz danach dadurch, daß sie “wie Giganten” Bäume entwurzelten, Erde und Steine herbeischleppten und einen Damm in den Gebirgsfluß hineinzubauen begannen. Als einige von dem Wildwasser losgerissenen Stämmen gegen die Pfeiler der von den Römern besetzten Brücke trieben und das hözerne Bauwerk durch ihren Anprall erschütterten, packte die Römer der Schrecken derartig, daß sie ihre wohlbefestigten Stellungen räumten und Hals über Kopf abzogen.

Diese Augenblicksbilder sind gewiß keine Erfindungen der antiken Schriftsteller, sie lassen Plan und Willen der germanischen Führer erkennen. Auch über die Art, wie unsere Vorfahren zu kämpfen gewohnt waren, geben uns die Nachrichten einigen Aufschluß. Der Verlauf der Vernichtungsschlacht bei Arausio wird zwar nicht in allen Einzelheiten geschildert, aber es geht aus der Gesamtdarstellung doch soviel hervor, daß es den germanischen Herzögen gelang, das gestaffelt aufgestellte römische Heer in der Flanke zu umfassen und in die Rhone zu werfen. Für die Manneszucht, die bei den Tausendschaften herrsche, zeugt die Mitteilung, daß sie im Gleichschritt angriffen. Plutarch berichtet: “Sie stürzten nicht ungeordnetem und tollem Lauf heran, sie stießen auch kein unartikuliertes Kriegsgeschrei aus, sondern schlugen im Rhythmus ihre Waffen zusammen und indem sie alle zu gleicher Sprünge ausführten, riefen sie alle gleichzeitig viele Male ihren eigenen Namen: Ambronen.” Es kann kein Zweifel sein, daß Plutarch damit einen im Gleichschritt durchgeführten Angriff schildert.

Vergleich mit Alexander dem Großen und Hannibal

Der Enderfolg blieb den drei Stämmen und ihren Führern versagt. Aber das darf uns nicht hindern, die tatsächlich vorhandenen außerordentlichen Führerleistungen einzusehen und anzuerkennen. Die Weltgeschichte stempelt nicht nur die auf die Dauer erfolgreichen Männer zu großen Führern. Hannibal z. B. gilt als einer der größten Feldherren aller Zeiten, obwohl ihm zuletzt der Sieg versagt blieb und er fern von der Heimat den Tod fand. Das gleiche gilt ja auch von Napoleon, dessen überragendes militärisches und staatsmännisches Können von niemand ernsthaft angezweifelt wird. Es wäre also falsch, ein Urteil über die Führer der Kimbern, Teutonen und Ambronen abzulehnen, nur weil sie und ihre Stämme schließlich doch vernichtet wurden. Man kann Bojorix und Teotobod vielmehr mit zwei der größten Gestalten der Weltgeschichte, so anmaßlich das zunächst  auch erscheinen mag, mit Alexander dem Großen und Hannibal durchaus vergleichen. Der König der Macedonier war der Führer der stärksten Militärmacht seiner Zeit, zu der sein Vater den Grund gelegt hatte. Der Zug, den er durchführte, durchmaß gewiß etwa die dreifache Strecke, wie jene der Kimbern, Teutonen und Ambronen, aber Alexander kämpfte gegen ein sterbendes, morsches Reich, gegen ein ihm durchaus unterlegenes Heer und er fand fast überall, wohin er kam, unterdrückte Völker, die ihn als Befreier begrüßten und deren Hilfe wichtig war. Die Herzöge der Germanen mußten ihre Stämme erst durch die Gaue kampfkräftiger Keltenvölker führen, ehe sie mit der stärksten Militärmacht der alten Welt, den Römern, zusammenstießen. Dann gelang es ihnen, fünf Heere zu schlagen und einen Großstaat, der alles andere als morsch und sterbend war, der sich vielmehr erst im Aufstieg befand, in Angst und Schrecken zu versetzen. Vergleicht man den Germanenzug mit dem Hannibals, so ist festzustelen, daß die drei nordischen Stämme zweimal die Alpen überwanden, einmal von Südosten nach Nordwesten und zum zweiten male von Norden nach Süden. Hannibal, der große Karthager, fand die Gebirgspässe nicht durch römische Truppen gesperrt, er hatte nur mit den Alpenvölkern zu kämpfen. Der Herzog der Kimbern mußte dagegen die von einem fähigen Führer befehligten Legionen im Hochgebirge überwinden. Wenn die Römer selbst die Schlacht von Arausio mit der von Cannaei vergleichen, dann haben wir wahrlich keinen Grund, zu widersprechen und die Leistungen unserer Vorfahren geringer einzuschätzen. Mit dem Zug der Kimbern, Teutonen und Ambronen treten unsere Vorfahren in das Licht der Geschichte, in ein Licht, das sie nicht zu scheuen brauchen. Wie ein altgermanisches Heldenlied klingen die Berichte jener Zeit zu uns herüber. Sie künden uns von einem Kampf, der der Taten aller späteren Geschlechter würdig gewesen ist. Sie beweisen uns aber auch, daß unter unseren Ahnen wahrhaft große Führer gelebt und gewirkt haben.